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Wollen Sie etwas verändern? Dann brauchen Sie ein Problem.


Wollen Sie etwas Grundlegendes verändern? Dann brauchen Sie eine Krise. Möchten Sie in Ihrem Leben vorankommen? Dann sind Sie auf das Scheitern angewiesen.

 

Die meisten Menschen sind der Auffassung, durch gewissenhafte Planung ihrer Lebensumstände, durch weitblickende Vorausschau und durch sogenannte richtige Lebensführung, ließen sich Leid und dazugehörige Krisen vermeiden. Das Leben wäre ein Zustand, auf den man sich einstellen könnte. Niemand sieht kommen, was in der nächsten Stunde, dem nächsten Tag oder in einer Woche geschehen wird. Wissen Sie, wie Ihr Leben im nächsten Jahr oder in fünf Jahren aussieht?

 

 

Dennoch leben die meisten Menschen so, als wenn sie wüssten was auf sie zukommt. Mit einem ausgefeilten Plan in der Tasche, um die Zukunft zu gestalten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis das Unerwartete eintritt.

 

Das Unerwartete kommt garantiert

Ein nahestehender Mensch stirbt unvermittelt, man verliebt sich, obwohl man in einer festen Beziehung ist, die Kündigung des Arbeitsplatzes schockiert, ein plötzlicher Unfall stößt einem zu, man wird unerwartet krank, die Liste solcher unerwarteteten Ereignisse ist lang. Die Begegnung mit dem Unerwarteten geht nicht spurlos an einem vorbei. Irritationen, Unsicherheiten, Ängste oder Krisen treten auf und lassen den Menschen realisieren, dass das Leben an ihm vorbeigerauscht ist. Es ist etwas geschehen, was nicht zu dem individuellen Zukunftsplan passt. 

 

Bewältigung des Unerwarteten - Das bisherige Leben auf das neue Leben abstimmen

Das Zurückbleiben wird nun bewältigt, man versucht sich an die neuen Bedingungen anzupassen. Das Leben ist einem vorausgeeilt und man versucht nun wieder aufzuholen, was sich oftmals nicht so leicht gestaltet. Eine unruhige Zeit. Die Bewältigung der Ereignisse findet notgedrungen und widerstrebend statt. Das Leben fordert nun, für sich selbst oder für die Beziehung, eine geänderte Vorstellung - von und für sich - in den neuen Lebensumständen zu finden.

 

Krisen schaffen Motivation - Ohne Krise keine Veränderungsbereitschaft

Wenn alles im Leben gut läuft, gibt es nicht den geringsten Grund etwas zu verändern. Veränderung stellt sich erst dann ein, wenn bisherige Lebensentwürfe keine zufriedenstellenden Ergebnisse und keine neuen Erfahrungen mehr bieten. Unzählige Ratgeber möchten dazu verhelfen, erfolgreich und krisenlos durchs Leben zu gehen. Jedoch birgt das stetige Gelingen keinerlei persönliches vorwärtskommen, kleine und große Krisen bringen den Wandel und die Veränderung.

 

Was im Leben garantiert scheitert ist die Absicht, zu bleiben wer man ist

Vielleicht kennen Sie den gut gemeinten Zuspruch, den man zu Geburtstagen oder anderen Anlässen gesagt bekommt: Bleib so, wie du bist. 

Natürlich ist dies nett gemeint und besagt, dass man so wie man ist akzeptiert, gemocht wird.

Zu bleiben wer man ist bedeutet jedoch auch, sich nicht zu verändern. Immer dieselbe Identität zu haben, die selbstgewählten Vorraussagungen über die eigene erwartete Zukunft einzuhalten. Stillstand. Die gute Nachricht: Der Einfluss von Irritationen, Problemen und Krisen macht es unmöglich, in dem Zustand des - Bleib so wie du bist - auszuharren. Das was Sie heute sind, ist nicht das was Sie für immer sein werden.

 

Veränderung geschieht auf mehreren Ebenen

Jede Veränderung findet in mehreren Bereichen unserer Psyche statt:

  • auf der emotionalen Ebene, was und wie wir fühlen
  • auf der körperlichen Ebene, im Erleben unseres Körpers, in unseren Bewegungen, Mimik, Haltungen, Atmung etc.
  • auf der kognitiven Ebene, wie wir denken und für uns Schlüsse ziehen
  • in unserem Verhalten, wie wir mit uns und anderen umgehen, wie wir uns innerhalb der Gesellschaft oder Gemeinschaft verhalten
  • auf der spirituellen Ebene, in der Sinn - und Seinssuche

Identität und Sinnfindung

Die eigene Identität ist gefährdet durch die im Leben eintretenden Störungen. Man erkennt, dass das was gerade passiert - das bin NICHT ICH. Das will ICH auch nicht sein. Der Störung, dem eingetretenen Ereignis wird ein eigenes ICH zugesprochen.

Da es einen Sinn braucht, um sich auf eine Veränderung einstellen zu können, bleibt der Psyche nur die Möglichkeit - dem Geschehenen einen Sinn geben. Erst dann wird die Störung aus einem anderen Blickwinkel betrachtet -  wenn es gut läuft wird ein Sinn erkannt und die Krise erhält neue, fruchtbare Aspekte an Bewältigungsmöglichkeiten. Der Mensch hat nun die Möglichkeit entdeckt, mit dieser Information weiterzuleben, und ist verändert aus der Krise herausgetreten. Es hat sich eine neuer Teil in Ihnen entwickelt, der den neuen Herausforderungen gewachsen ist, und die bisherige Persönlichkeit ergänzt.

 

Fazit  - Veränderung ist möglich

Man wird durch Krisen aufgefordert, seine Identität zu verändern - ein*e Andere*r zu werden. Zugehörige Gefühle, wie z.B. die Leere, das Scheitern, die Resignation, das Nicht-Wissen - ergo alle Gefühle die zu einer Krise gehören sind wichtig und bewirken, wenn sie zugelassen werden, ein tieferes Verständnis über Sie Selbst. Krisen können also eine hilfreiche Unterstützung für Veränderung sein.

 

Entdecken Sie die Möglichkeiten die in der Bewältigung schwieriger Lebenslagen enthalten sind, auch wenn diese sich erst einmal nicht sofort zu erkennen geben, und Sie aufgrund der belastenden Situation erst einmal nicht wissen, wo Ihnen der Kopf steht.

Der Philosoph Epiktet schrieb vor fast zweitausend Jahren: "Die Menschen werden nicht durch die Ereignisse, sondern durch ihre Sicht der Ereignisse beunruhigt." Das Wirken von Krisen in Ihrem Leben führt Sie zu sich selber zurück. Sie werden sich verändern, wenn Sie erfahren, wie Sie sind, wenn sie auf ein unerwartetetes Ereignis treffen. Wenn sie es zulassen, sich auf den fünf oben genannten Ebenen der Veränderung neu zu erleben und zu verstehen, werden Sie neue Seiten an sich entdecken und eventuell auch neue, noch nicht bekannte Wege gehen, erfahren neue Aspekte Ihrer Selbst.

 

 

*Literaturhinweis/Impressum