Den inneren Kompaß neu ausrichten - Müssen, sollen oder wollen Sie schon?

Wissen Sie eigentlich was Sie wollen? Wirklich?

Oder wollen Sie lieber was Sie müssen und sollen?

Ein Grund, warum wir uns oft täglich getrieben fühlen sind die Wörtchen MUSS oder SOLLTE:

  • Ich muss jetzt los, mein Bus kommt gleich.
  • Ich muss noch zu meinen Eltern, bevor ich zu dir kommen kann.
  • Ich muss das Telefongespräch beenden, weil...
  • Ich muss nach der Arbeit zu dem Geburtstag des Freundes.
  • Ich sollte dreimal die Woche Sport treiben.
  • ...

 

Die Macht der Worte

Oben genannte Sätze sind gängige, täglich gesprochene Sätze, die man kaum hinterfragt und unbedacht in seinem Wortschatz benutzt. Jedoch ist Sprache nicht bloß ein einfaches Mittel, um Informationen auszutauschen, sondern zeigt sich vielfältig und unterschiedlich in ihrer Wirkung. Sie hat einen Einfluss auf unser Denken und unsere Wahrnehmung, und ist in der Lage Gefühle zu erwecken oder Gedankengänge anzustossen, die wiederum dazu führen, dass wir handeln. Deshalb ist es empfehlenswert, sich die eigene Sprache einmal genauer anzusehen und zu schauen, welche Wirkung Sprache in unterschiedlichen Situationen auf das eigene Tun und Denken hat. Hier zwei Beispielsätze, die unterschiedliche Wirkungen hervorrufen können:

 

"Ich muss meiner Frau zum Hochzeitstag einen Strauß Rosen kaufen.", oder

"Ich muss zu meinem Jubiläum auf der Arbeit ein Essen für die Kollegen organisieren."

 

Wie wirken diese Sätze auf Sie?

Und nun formuliere ich diese Sätze anders:

 

"Ich will meiner Frau zum Hochzeitstag einen Strauß Rosen kaufen."

"Ich will zu meinem Jubiläum auf der Arbeit ein Essen für die Kollegen organisieren."

 

Erkennen Sie die Wirkung? Spüren Sie den Unterschied zwischen dem Zwang des Müssens und der Freiheit des Wollens?

Die Sätze, die mit dem Wörtchen MUSS formuliert wurden, erzeugen eine negative Wirkung die sich im weiteren Verlauf auch noch steigern kann. Womöglich wird man am Schluss sogar noch sauer auf die Ehefrau, weil sie ja diejenige ist wegen der man die Rosen kaufen muss und anstatt einen entspannten Hochzeitstag miteinander zu verbringen endet dieser sogar in einem unangenehmen Streit?

 

Wenn ich die zweite Variante - das WOLLEN - wähle, übernehme ich die Verantwortung für mein Handeln und bin selbstbestimmt. Wenn ich aus mir heraus agiere, kann ich ausschliessen, dass ich andere Menschen für meine Gefühle verantwortlich mache. Allein ich selber trage die Verantwortung.

Wie Sie erkennen, hat Sprache eine enorme Wirkung auf unser Denken und Handeln, deshalb ist es ratsam bewusster mit der eigenen Sprache umzugehen, das gilt für die eigene, innerliche Ansprache als auch für das Wirken in Ihrem Umfeld.

 

Die Wirkung des Wörtchen MUSS

Wer etwas MUSS, hat scheinbar keine Wahlmöglichkeiten mehr. Ein MUSS entsteht aus einem äußeren Einfluss, dem wir scheinbar nicht ausweichen können. Das MUSS bezeichnet einen Zustand von Fremdbestimmung und Zwang. Es hat Macht. Zugespitzt dargestellt - es macht einen zum Opfer. Das MUSS treibt uns unaufhörlich und unerbittlich durch den Alltag, und hinterlässt, bei Nichterfüllen, bei dem ein - oder anderen ein unangenehmes Gefühl. Wer sein MUSS nicht zu 100% erfüllt hat, empfindet sich als nicht diszipliniert genug, bekommt ein schlechtes Gewissen, zweifelt an seiner Leistungsfähigkeit oder bewertet sich kritischer. Vielleicht entsteht sogar das Gefühl, nicht gemocht oder geliebt zu werden, da die vermeintlichen Erwartungen nicht oder anscheinend unzureichend erfüllt wurden.

 

Was MUSS ich wirklich?

Einige Dinge sind notwendig, um sich mögliche Unannehmlichkeiten zu ersparen, wie beispielsweise die Steuern zu bezahlen.

Wir sind in einem gewissen Maß durch einige Vorgaben, die in unserer Gesellschaft gelten, fremdbestimmt.

Auch der Anfang und das Ende unseres Lebens war bzw. ist ein vorgegebenes MUSS.

Was aber ist mit dem Rest meines Lebens, meines Alltags, meiner Freizeit?

MUSS ich weiterhin meinen Job ausüben, oder gibt es vielleicht Alternativen? MUSS ich meine Eltern jedes Wochenende besuchen? MUSS ich dreimal in der Woche zum Sport? Wenn wir genauer hinschauen finden wir nicht nur unser eigenes MUSS, sondern jede Menge weitere MUSS - Impulse durch soziale Medien, Informationen aus dem Internet, Zeitungen, Bücher, Freundes - und Bekanntenkreis oder TV. Wir fühlen uns aufgefordert ein gesundes Leben zu führen, zu meditieren, eine gesunde Ernährung umzusetzen, den "richtigen" Partner zu finden, oder genügend Sport zu treiben und und und... weil wir die Information aufnehmen und uns angesprochen fühlen.

Aber ist das wirklich das, was wir WOLLEN?

Oder WOLLEN wir das MÜSSEN, weil wir damit die Verantwortung abgeben können?

Wem ständig gesagt wird, was sein MUSS, der braucht sich kaum eigene Gedanken machen und nicht entscheiden - nicht WOLLEN müssen!

 

Sind Sie der Gestalter Ihres Lebens? Was WOLLEN Sie denn eigentlich?

In den meisten Fällen MUSS man nämlich überhaupt nichts. Man sagt unbedacht "Ich muss dies oder jenes...", dabei ist das gar nicht wahr. Du musst nicht, DU hast Dich dazu entschieden. Niemand zwingt Dich zum Geburtstag zu gehen, keiner zwingt Dich, diesen wieder zu verlassen, und dennoch wird gesagt: "Tut mir leid, ich MUSS jetzt gehen". Dabei wäre die ehrliche Variante: "Ich WILL jetzt gehen".

Du musst nicht die neugierige Nachbarin grüßen, du musst keinen Smalltalk mit einer berechnenden Kollegin halten...Du kannst, wenn du es willst. Wie im Kleinen so auch im Großen - auch wenn die Beispiele unbedeutend erscheinen, so handelt man bei grösseren, bedeutsameren Entscheidungen ähnlich, und anstatt "Nein, ich will nicht" zu sagen, wird daraus ein "Ich musste das tun". Versuchen Sie es mal mit einer Gegenfrage: Wer hat gesagt, dass DU MUSST?

 

Dem MUSS auf die Spur kommen - den Kompass neu kalibrieren

Seien Sie in den nächsten 14 Tagen sensibel für das Wörtchen MUSS in allen Situationen die Sie erleben. Sie werden überrascht sein, wie oft Sie es entdecken. "Ich muss jetzt gehen, ich muss jetzt auflegen..." - sobald dieses auftaucht, versuchen sie den Satz in eine selbstbestimmte Variante umzuformulieren: "Ich will jetzt gehen, weil ich morgen früh ausgeruht sein möchte, Ich will jetzt auflegen, weil ich mit meiner/meinem Partner*in gemeinsam essen möchte...", und schauen Sie, ob dies auch für Sie stimmig ist. Wenn das MUSS auftaucht, hinterfragen Sie es:

Wer sagt, dass ich das muss? Ist das wirklich so? Vielleicht gibt es Situationen, die erstmal schwer zu verändern scheinen, aber es wird genug Situationen geben, in denen Sie eine positive Veränderung durch diese Intervention erreichen können.

Damit wird klar, dass es immerzu die Freiheit gibt, unsere Geschicke selber zu bestimmen.

Auch wenn wir alle mit einem gewissen Grad von Fremdbestimmheit konfrontiert sind, haben wir doch die Möglichkeit in vielen Lebensbereichen eine Veränderung durch den Einsatz von bewussten, eigenen Entscheidungen - dem WOLLEN - zu schaffen.

 

Wenn Sie sich dafür entscheiden das fremdbestimmte MUSS in ein selbstbestimmtes ICH WILL zu verwandeln, erreichen Sie ein anderes Denken und Handeln und können sehr viel dazu beitragen zufriedener und gelassener zu werden. Probieren Sie es doch einfach mal aus!