Giuseppe Bruno wuchs in Butera, einem Bergdorf im Süden Siziliens, auf. Mit nur 16 Jahren verließ er 1961 seine Heimat und kam nach Frankfurt am Main – als Teil jener Generation, die im Zuge der sogenannten Gastarbeiteranwerbung nach Deutschland kam.
Einen entscheidenden historischen Rahmen bildete dabei das deutsch-italienische Anwerbeabkommen vom 20. Dezember 1955. Mit diesem Abkommen regelten die Bundesrepublik Deutschland und Italien erstmals offiziell die Anwerbung italienischer Arbeitskräfte. Es legte den Grundstein für die Gastarbeiter-Migration und eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern. Giuseppe Brunos Lebensweg steht exemplarisch für die langfristigen Folgen dieses Abkommens – bis in die Gegenwart hinein.
In Frankfurt arbeitete Bruno zunächst als ungelernter Arbeiter, später als Blumenhändler und Umweltpfleger. Seine Erfahrungen verarbeitete er literarisch in zwei autobiografischen Büchern, die heute nicht nur Zeitdokumente sind, sondern auch wichtige Orientierungspunkte für die Nachfahren der Gastarbeitergeneration. Die innere Spannung zwischen familiärer Verpflichtung und persönlichem Neuanfang zieht sich wie ein roter Faden durch Giuseppe Brunos Leben und Schreiben.
Seine Bücher:
Zug in die Fremde (2005)
Dieses Buch erzählt von der Kindheit und Aufbruch aus dem Dorf Butera, von der Zugreise nach Deutschland und vom harten Anfang in der Fremde. Für Kinder und Enkel der Gastarbeiter macht es erfahrbar, unter welchen Bedingungen ihre Eltern und Großeltern nach Deutschland kamen und welche Opfer mit dieser Entscheidung verbunden waren.
Wenn die Fremde zur Heimat wird (2012)
Das zweite Buch beschreibt das Leben nach dem Ankommen: Arbeit, Familie, Konflikte und den langsamen Prozess des Verwurzelns. Besonders für die Nachfolgegeneration zeigt es, dass Zugehörigkeit nicht selbstverständlich ist, sondern erkämpft, gestaltet und immer wieder neu ausgehandelt wird.
Die Bücher sind erhältlich bei Edition 6065
Verlag für regionale Kultur und Geschichte.
(edition6065.de)
Ergänzend zu seinen Büchern gibt es Zeitzeugenberichte der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die im Rahmen der Reihe „-Gedächtnis der Nation aufgenommen wurden. In diesen Interviews berichtet Giuseppe Bruno unmittelbar, authentisch und persönlich von seiner Kindheit, dem Abschied aus Sizilien, den Herausforderungen der Migration und dem Leben in Deutschland. Die Videos machen seine Erfahrungen auf ganz besondere Weise erfahrbar – mit Stimme, Mimik und Erzählfreude – und stellen ein wertvolles historisches Dokument dar, das auch für spätere Generationen bewahrt wird.
(zeitzeugen-portal.de)
Bedeutung für die Nachfahren der Gastarbeiter
Giuseppe Brunos Bücher helfen den Kindern und Enkeln der Gastarbeiter, ihre eigene Geschichte besser zu verstehen. Sie schlagen eine Brücke zwischen den Erfahrungen der ersten Generation und den Identitätsfragen der heutigen Nachkommen. Brunos persönliche Erinnerungen machen deutlich, woher familiäre Werte, Brüche und Ambivalenzen stammen – und warum Migration bis heute nachwirkt.
Am 8. Februar 2014 verstarb Giuseppe Bruno in Frankfurt am Main. Sein literarisches Vermächtnis lebt weiter – als Erinnerung, als Orientierung und als Einladung zum Dialog zwischen den Generationen.
Fazit:
Giuseppe Bruno (25. September 1945 in Butera, Provinz Caltanissetta, Sizilien; † 8. Februar 2014 in Frankfurt am Main) war ein deutsch-italienischer Autor
und ein bedeutender Zeitzeuge der italienischen Arbeitsmigration nach Deutschland. Er hat nicht nur seine eigene Geschichte erzählt, sondern auch die vieler anderer. Für die Nachfahren der
Gastarbeiter sind seine Bücher ein Schlüssel zum Verständnis der eigenen Herkunft – und damit ein wichtiger Bestandteil kollektiver Erinnerung.
